FPC Magazin 2014 - page 3

W e r v o r d r e i s s i g J a h r e n
als Zei-
tungsredakteur anfing, lernte Begriffe wie Redaktions-
schluss, Nonpareille und Mettage. Heute reden Jung-
journalisten über Customizing, Storyful MultiSearch oder
über Newsgames – Leif Kramp gibt in diesem Magazin
einen Eindruck von den „tipping points“ im Journalis-
mus. Handelt es sich bloß um neue Begriffe, um moderne
Werkzeuge? Oder ändert sich die Sache selbst? Bleiben
wir als Journalisten, so gut es geht, ehrliche Makler von
Nachrichten und Meinungen? Gilt auch in Zukunft, dass
Relevanz und eine hohe Klickrate nicht identisch sein
müssen? Oder ist das die Selbstlegitimation einer Berufs-
kaste, die sich überlebt hat und die angesichts von Blo-
gosphäre und Liquid Journalism niemand mehr braucht?
Was bedeutet es, wenn Schreibroboter Basketball-Spielbe-
richte oder Meldungen über Erdbeben produzieren? Wozu
führen „native Anzeigen“ im Gewand redaktioneller
Beiträge? Sind „Huffington Post“ und „Buzzfeed“ nicht
nur interessante Ergänzungen des publizistischen Ge-
schäftsmodells, sondern deren Zukunft? Wie steht es um
die qualitätssichernde Funktion von Redaktionen, wenn
die freie Berufstätigkeit der Normalfall wird?
Das sind Fragen, die eine Branche im Umbruch be-
schäftigen. Sie bewegen junge Leute mit dem Berufsziel
Journalismus, sie rühren aber auch an die Fundamente
informationsoffener Gesellschaften. Deshalb ist dieses
FPC-Magazin dem Medienwandel in seinen unterschied­
lichen Facetten gewidmet.
Es ist ein Wandel, der auch den Frankfurter PresseClub
nicht unberührt lässt. Die Gründung vor fast 35 Jahren
war geprägt von der Idee eines angelsächsischen Clubs –
als Treffpunkt für Mitglieder und Gäste aus Politik, Wirt-
schaft, Kultur, Gesellschaft und Sport. Heute erleben wir,
dass der Club ins Netz umzieht, an die Stelle von Leder-
Fauteuils treten Facebook, Xing und andere Plattformen.
Deshalb steht der Club vor der Frage: Welche Bedeutung
hat ein traditioneller Ort wie der FPC heute für Vertre-
ter der Kommunikationsbranche in einer sich ändernden
Berufswelt? Eine vom Vorstand angestoßene und auf der
Mitgliederversammlung lebhaft diskutierte Bestands-
aufnahme gibt Hinweise, was geschehen muss, um den
Club in die Zukunft zu führen. Sie laufen im Kern darauf
hinaus, den Club stärker zu öffnen, zeitgemäße Ange-
bote mit Netzwerkcharakter zu machen, die jedermann
zugänglich sind, und jene Fragen aufzunehmen, die die
Branche im Innersten bewegen. Vorstand und Geschäfts-
führung arbeiten daran.
Werner D’Inka,
Präsident des Frankfurter PresseClubs und Mitherausgeber der „FAZ“
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